Sonntag, 21. September 2008

10 Jahre Gaumusikzug des RAD - Gau Liegnitz

Liegnitzer Tageblatt, 25.1.1944

Seit 5 Jahren zum Musikleben der Stadt Liegnitz gehörig

In diesem Tagen blickt der Gaumusikzug des Reichsarbeitsdienstes Gau X Liegnitz auf ein 10jähriges Bestehen zurück. Bei diesem Jubiläum teilen wir Liegnitzer uns mit Görlitz; denn der Gaumusikzug gehörte 5 Jahre zu Görlitz, das damals den Gaustab beherbergte. Seit 1. April 1939 sind die immer gern gesehenen und freudig gehörten Musiker in der erdbraunen Uniform in Liegnitz. Hier haben sie starken Anteil an dem Musikleben unserer Stadt. In ungezählten Veranstaltungen, bei Feierstunden und Kundgebungen der Partei und der Gliederungen, bei Aufmärschen, dann wieder im Konzertsaal und - zur Zeit der Abwesenheit des Städt. Orchesters als Kurorchester in Bad Warmbrunn - auch im Stadttheater, hat sich der Gaumusikzug den Ruf eines tüchtigen, beachtbaren Orchesters gesichert. Liegnitz nimmt darum an der 10jährigen Wiederkehr des Gründungstages lebhaften Anteil und freut sich besonders, dass diese frisch und sorgfältig musizierende Gemeinschaft von Arbeitsmännern zur Stadt Liegnitz gehört und das hiesige Musik- und Konzertleben immer wieder mit fördert. Seit 1936, also 8 Jahre, steht der Gaumusikzug unter der Leitung von Obermusikzugführer Horschler, der vom Gruppenmusikzug aus Glogau kam. Sein Verdienst ist die unermüdliche Schulung und Durchbildung der Musiker, denen er ein ausgeprägter Führer ist, und seine Musikalität befähigt ihn, seinen Musikzug zu schönen, geschlossenen Leistungen zu bringen.

Der Gaumusikzug des Arbeitsgaues X wurde Ende Januar und Anfang Februar 1934 in Görlitz aufgestellt. Sofort nach Bekanntgabe der beabsichtigten Gründung eines Gaumusikzuges des Reichsarbeitsdienstes meldete sich eine große Zahl von Bewerbern, die Mitglieder des Gaumusikzuges werden wollten. Als Kuriosität mag erwähnt werden, dass mehr Meldungen für die Stelle des Musikzugführers als für die Musikerstellen eingingen.

Bereits Mitte Februar 1934 spielte der neue Gaumusikzug erstmalig vor Arbeitsgauführer Roch und den Angehörigen des Gaustabes. Am 1. März 1934 war der Gaumusikzug endgültig aufgestellt.
Am 22. März 1934 trat der Gaumusikzug zum 1. Mal beim ersten Spatenstich im Sprottebruch dienstlich an die Öffentlichkeit. Das erste öffentliche Konzert wurde am 3. April in Görlitz durchgeführt. Bereits im September 1934 wurde der Gaumusikzug das erste Mail beim Reichsparteitag mit eingesetzt. Seit dem hat er an jedem Reichsparteitag teilgenommen. Im Juli 1938 war der Musikzug beim Sängerfest in Breslau eingesetzt und hat hier vor dem Führer gespielt.
In den Jahren 1938 bis 1939 war der Gaumusikzug X ständiger Gast beim Reichssender Breslau und beim Sender Görlitz. Ein Teil des Gaumusikzuges bestritt unter dem Decknamen "Tanzkapelle Willi Schneider" leichte Unterhaltungs- und Tanzmusiken des Reichssenders Breslau.
Am 1. April 1939 wurde der Gaumusikzug zusammen mit dem Arbeitsgaustab X nach Liegnitz verlegt.
Im September 1939 nahm der Musikzug im Rahmen des Einsatzes des Reichsarbeitsdienstes am Polenfeldzug teil. In der Zeit vom 21.8. bis 19.9.1940 war der Musikzug im Generalgouvernement eingesetzt und an dem Großaufmarsch des Reichsarbeitsdienstes in Warschau beteiligt. Vom 25.6. bis 12.8.1941 wurde der Musikzug im Rahmen der Truppenbetreuung der Wehrmacht in Norwegen eingesetzt. Im Oktober 1941 folgte ein Einsatz im Rahmen einer Großpropagandaaktion in Holland, die unter Leitung von Generalarbeitsführer Dr. Decker stand.

Aus dem Kulturleben des Arbeitsgaubereiches und damit des Regierungsbezirkes Liegnitz ist der Gaumusikzug nicht mehr wegzudenken. Er tritt hier nicht nur als selbstständiger Musikkörper in Erscheinung, sondern hilft überall dort aus, wo durch den Krieg bedingt, die Orchesterkräfte nicht ausreichen und ohne eine entsprechende Verstärkung Veranstaltungen im Konzertsaal und Theater nicht durchgeführt werden könnten. Als Beispiel für den Einsatz des Gaumusikzuges sei der Einsatzbericht eines Kalendermonats angegeben, 27mal wurde der Gaumusikzug dienstlich in den Abteilungen des Arbeitsgaues X eingesetzt, und zwar sowohl als geschlossener Klangkörper, als auch in Einzelspielgruppen. Der Einsatz in Einzelspielgruppen erfolgte vor allem zum Tag der deutschen Hausmusik. 35mal wurde der Musikzug in dem Berichtsmonat bei Veranstaltungen der Partei, zu Verwundetenbetreuung, zu Kraft-durch-Freude-Konzerten und zur Verstärkung anderer Orchester angefordert. An 14 Tagen erfolgte der Einsatz kleinerer Spielgruppen im Rahmen leichter Unterhaltungsmusik.

Von den 36 Angehörigen des Gaumusikzuges befinden sich 17 im Kriegseinsatz bei der Wehrmacht. Von diesen sind 2 gefallen und 2 so schwer verwundet, dass sie nicht mehr einsatzfähig sind. Als Ersatz für die zur Wehrmacht Eingezogenen wurden dem Gaumusikzug Angehörige stillgelegter Musikzüge zukommandiert.

Seit Mai 1938 steht der Musikzug unter der Leitung von Obermusikzugführer Rudolf Horschler. Obermusikzugführer Horschler trat im Mai 1934 in den Arbeitsdienst ein und wurde mit der Aufstellung des Gruppenmusikzuges der damaligen Gruppe 101, Glogau, beauftragt. Da der Gruppenmusikzug zu dieser Zeit noch keine Etatstellen besaß, setzte er sich nur aus kommandierten Arbeitsmännern zusammen, die zum großen Teil nicht einmal Berufsmusiker waren. Trotzdem brachte Horschler den Gruppenmusikzug in kürzester Zeit auf eine beachtliche Höhe. Seine Leistung fand im Sommer 1934 ihre äußere Anerkennung dadurch, dass ihm im Rahmen eines Aufmarsches der Gruppe 101 in Glogau die Kreisleitung als Anerkennung für die bei Veranstaltungen der Partei geleistete Unterstützung für seinen Musikzug einen Schellenbaum überreichte. Im Februar 1935 wurde Obermusikzugführer Horschler vertretungsweise mit der Führung und im Mai 1936 mit der endgültigen Führung des Gaumusikzuges beauftragt.


Zu seinem 10jaehrigen Bestehen veranstaltet der (verstärkte) Gaumusikzug nun am 27. Januar im Städtischen Konzerthaus ein großes Richard-Wagner-Konzert, zu dem als Solisten Lieselott Ammermann, 1. Sopranistin vom Opernhaus Breslau, Berndt Altenhoff, Heldentenor von der Staatsoper Dresden und Fritz Oswald, Heldenbariton vom Stadttheater Liegnitz erwartet werden.

Wie Künstler den Reichs-Arbeitsdienst sehen

Liegnitzer Tageblatt vom 18. Januar 1944

Der Liegnitzer Maler Walter Bayer beteiligt sich an der Ausstellung bildender Künstler.
Ein Atelierbesuch

Der Reichsarbeitsführer will im Sommer 1944 eine große Kunstausstellung veranstalten, die dem Gedanken des Arbeitsdienstes gewidmet ist. Im Rahmen dieser Ausstellung hat er einen Wettbewerb ausgeschrieben für Maler, Bildhauer und Graphiker. Es ist der Wunsch des Reichsarbeitsführers, dass alle deutschen bildenden Künstler ihre Schaffenskraft durch Teilnahme am Wettbewerb beweisen. Es ist für die Liegnitzer eine ganz besondere Freude, dass ein "Einheimischer", der Maler und Zeichenlehrer Walter Bayer, mit einigen Bildern bei der Ausstellung vertreten sein wird. Noch sind die Bilder, die so manche Eigenart der Pinselführung und Kleinmalerei verrieten, von der Ausstellung zu Ehren des 60. Geburtstages des Künstlers in bester Erinnerung.

"Eines Tages bekam ich vom Reichsarbeitsdienst die Einladung, einige Wochen als Gast in einer Unterkunft zu leben und auf diese Weise lebendige, wirklichkeitsnahe Motive zu sammeln, den ganzen Betrieb kennen zu lernen" erzählt Herr Bayer. "Ich wählte mir eine Unterkunft des Arbeitsdienstes in Zobten. Ich erlebte das Wesen der Kameradschaft unter diesen Jungen Menschen, sah ihre blühende Gesundheit, ihre freudige Einsatzbereitschaft, spürte ihre heiße Liebe zum Vaterland. Und aus all diesen Beobachtungen und Eindrücken formten sich mir Skizzen zur Ausführung meiner Arbeiten.
Zur Ausstellung (nicht zum Wettbewerb) habe ich nun vier Bilder angemeldet,
ein Ölgemälde: Freizeitgestaltung,
eine Bleistiftzeichnung: Putz- und Flickstunde,
eine Buntstiftzeichnung: Der Arbeitsmann,
ein Aquarell: Freizeitgestaltung".

Der Maler zeigt und beleuchtet uns die einzelnen Kunstwerke, damit wir uns von ihrer Wirkung überzeugen können. Sehr lebenswahr in ihrer Schlichtheit erscheinen die Zeichnungen. Das große Ölgemälde lässt die Bestimmung erkennen, dereinst in einem hohen, imponierenden Raum zu repräsentieren. Stimmungsmäßig am wirkungsvollsten, weich in den Farben, erscheint das Aquarell. Man spürt es, dass das Aquarellieren eine Lieblingsarbeit des Künstlers bedeutet. Die Skizze verrät Wesenseigenheiten.

"Ja, Sie haben ganz recht mit diesen Beobachtungen", gibt der Maler lächelnd zu, "das Heroische liegt mir weniger, meine Stärke liegt beim Aquarell, bei der Kleinmalerei. Ich liebe das Zeitalter des Biedermeier, das Märchenhafte."

Wir können uns an Illustrationen zu einem Buch für eine Krankenhausbücherei erfreuen. Es sind kleine Aquarelle in leuchtenden Farben, aus "Münchhausens fantastisches Leben". Dann bewundern wir Federzeichnungen zu einem Märchenbuch "Breslauer Sagen und Legenden". Diese Art der Malerei erinnert an Spitzweg und Richter, ebenfalls ein Gemälde "Hausmusik"


"Im Augenblick bin ich noch so erfüllt von den Erlebnissen im Arbeitsdienst, dass ich noch an einigen Entwürfen arbeite, z. B. "Arbeitsmann mit Hacke", "Sportstunde", "Der Oberfeldmeister", "Muldenkipper". Dieses Bild werde ich wahrscheinlich auch zur Ausstellung geben".


Wir haben uns in dieser Stunde davon überzeugen können, wie die Idee des Reichsarbeitsführers, Erlebnissen aus der Gemeinschaft des Arbeitsdienstes durch Kunstschaffen einen bleibenden Wert zu schenken, verwirklicht wurde. Es ist unser aller Wunsch, dass der Heimatgau möglichst an der Spitze des kommenden Wettbewerbs steht.