Sonntag, 21. September 2008

Wie Künstler den Reichs-Arbeitsdienst sehen

Liegnitzer Tageblatt vom 18. Januar 1944

Der Liegnitzer Maler Walter Bayer beteiligt sich an der Ausstellung bildender Künstler.
Ein Atelierbesuch

Der Reichsarbeitsführer will im Sommer 1944 eine große Kunstausstellung veranstalten, die dem Gedanken des Arbeitsdienstes gewidmet ist. Im Rahmen dieser Ausstellung hat er einen Wettbewerb ausgeschrieben für Maler, Bildhauer und Graphiker. Es ist der Wunsch des Reichsarbeitsführers, dass alle deutschen bildenden Künstler ihre Schaffenskraft durch Teilnahme am Wettbewerb beweisen. Es ist für die Liegnitzer eine ganz besondere Freude, dass ein "Einheimischer", der Maler und Zeichenlehrer Walter Bayer, mit einigen Bildern bei der Ausstellung vertreten sein wird. Noch sind die Bilder, die so manche Eigenart der Pinselführung und Kleinmalerei verrieten, von der Ausstellung zu Ehren des 60. Geburtstages des Künstlers in bester Erinnerung.

"Eines Tages bekam ich vom Reichsarbeitsdienst die Einladung, einige Wochen als Gast in einer Unterkunft zu leben und auf diese Weise lebendige, wirklichkeitsnahe Motive zu sammeln, den ganzen Betrieb kennen zu lernen" erzählt Herr Bayer. "Ich wählte mir eine Unterkunft des Arbeitsdienstes in Zobten. Ich erlebte das Wesen der Kameradschaft unter diesen Jungen Menschen, sah ihre blühende Gesundheit, ihre freudige Einsatzbereitschaft, spürte ihre heiße Liebe zum Vaterland. Und aus all diesen Beobachtungen und Eindrücken formten sich mir Skizzen zur Ausführung meiner Arbeiten.
Zur Ausstellung (nicht zum Wettbewerb) habe ich nun vier Bilder angemeldet,
ein Ölgemälde: Freizeitgestaltung,
eine Bleistiftzeichnung: Putz- und Flickstunde,
eine Buntstiftzeichnung: Der Arbeitsmann,
ein Aquarell: Freizeitgestaltung".

Der Maler zeigt und beleuchtet uns die einzelnen Kunstwerke, damit wir uns von ihrer Wirkung überzeugen können. Sehr lebenswahr in ihrer Schlichtheit erscheinen die Zeichnungen. Das große Ölgemälde lässt die Bestimmung erkennen, dereinst in einem hohen, imponierenden Raum zu repräsentieren. Stimmungsmäßig am wirkungsvollsten, weich in den Farben, erscheint das Aquarell. Man spürt es, dass das Aquarellieren eine Lieblingsarbeit des Künstlers bedeutet. Die Skizze verrät Wesenseigenheiten.

"Ja, Sie haben ganz recht mit diesen Beobachtungen", gibt der Maler lächelnd zu, "das Heroische liegt mir weniger, meine Stärke liegt beim Aquarell, bei der Kleinmalerei. Ich liebe das Zeitalter des Biedermeier, das Märchenhafte."

Wir können uns an Illustrationen zu einem Buch für eine Krankenhausbücherei erfreuen. Es sind kleine Aquarelle in leuchtenden Farben, aus "Münchhausens fantastisches Leben". Dann bewundern wir Federzeichnungen zu einem Märchenbuch "Breslauer Sagen und Legenden". Diese Art der Malerei erinnert an Spitzweg und Richter, ebenfalls ein Gemälde "Hausmusik"


"Im Augenblick bin ich noch so erfüllt von den Erlebnissen im Arbeitsdienst, dass ich noch an einigen Entwürfen arbeite, z. B. "Arbeitsmann mit Hacke", "Sportstunde", "Der Oberfeldmeister", "Muldenkipper". Dieses Bild werde ich wahrscheinlich auch zur Ausstellung geben".


Wir haben uns in dieser Stunde davon überzeugen können, wie die Idee des Reichsarbeitsführers, Erlebnissen aus der Gemeinschaft des Arbeitsdienstes durch Kunstschaffen einen bleibenden Wert zu schenken, verwirklicht wurde. Es ist unser aller Wunsch, dass der Heimatgau möglichst an der Spitze des kommenden Wettbewerbs steht.

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