Freitag, 31. Oktober 2008

Der Arbeitsdienst im Wandel der Jahre

Liegnitzer Tageblatt vom 25.3., 26.3., 28.3. und 1.4.1935.


Liegnitzer Tageblatt - Schriftleitung

Ein vorübergehend in Liegnitz weilender ehemaliger Oberstfeldmeister und Stabsleiter einer Arbeitsdienstgruppe im nationalsozialistischen Arbeitsdienst übersandte uns nachfolgenden Artikel mit der Bitte um Veröffentlichung. Wir übernehmen gern den Abdruck dieser interessanten Betrachtung, zumal der Verfasser in sachlicher und dabei herzlicher Art die geniale Aufbauarbeit des Reichsarbeitsführers Hierl zu würdigen sich bemühte. Hier haben ein heißes Herz und große Vaterlandsliebe die Feder geführt und mit der Schilderung der Hindernisse und Mühsalen vergangener Zeiten werden auch dem Fernstehenden die Augen geöffnet für den Wert dessen, was heute erreicht worden ist.

Der Arbeitsdienst im Wandel der Jahre

Von Karl Rudolf Liebrecht, Oberstfeldmeister a.D.

Es ist wertvoll und Ehrenpflicht des Mannes zu gedenken, den der Führer auf verantwortungsvollsten Posten stellte und dem er den besten Teil unserer aufbaubereiten Jugend anvertraute: Reichsarbeitsführer, Staatssekretär, Oberst a.D. Konstantin Hierl. Es kann nicht Aufgabe dieser Zeilen sein, alles das zu würdigen, was trotz aller Hindernisse durch Konstantin Hierl in zäher, zielbewusster und von leidenschaftlicher Liebe durchglühte Arbeit geleistet wurde: Das wird einst in die Geschichte eingehen und gewiss von maßgebender Stelle aus, die ein größeres Blickfeld hatte, gewürdigt werden. Ich will nur versuchen, einen kleinen Entwicklungsüberblick zu bringen, den ich selbst erlebte, der aber als Ausschnitt für das Ganze typisch war und dem Fernstehenden klarmacht, wie schwer in Wirklichkeit die Aufbauarbeit war, wie geopfert werden musste und wie dornenreich der Weg war, der durch die Vielheit von Ideen und Plänen in schlichter, klarer Marschlinie zu seinem Ziele führte, das der Führer Adolf Hitler schon Jahre vorher programmatisch festgelegt hatte.

Es dürfte nicht unbekannt sein, dass der Gedanke des Arbeitsdienstes und der Arbeitsdienstpflicht so alt ist, wie der Kampf um Deutschlands Freiheit nach der Novemberrevolte 1918 tobte. Meist Kämpfer ehemaliger Freikorps waren es, die junge begeisterte Deutsche um sich versammelten, um entweder in einsamer Moorheide zu siedeln, zu roden und dem Boden in harter Arbeit erste Früchte abzuringen. (Hauptmann a.D. Schmude) oder sich zu völkischen Arbeitsgemeinschaften zusammenfanden und auf großen Rittergütern arbeiteten. Hier stand in vorderster Kampffront der Bund Artam, der vor etwa einem Jahre durch Baldur v. Schirach in Güstrow (Mecklenburg) feierlich in die Hitlerjugend überführt wurde. Es waren zweifellos die besten Kräfte, die da vor 15 Jahren zum ersten Male, weitab vom politischen Alltag, in stiller, aber zäher Aufbauarbeit mit leidenschaftlichem Herzen neue Lebensformen, neue Gemeinschaftsregeln schufen. Doch alles musste im Kleinen stecken bleiben, weil das große Fundament noch nicht geschaffen war, weil das in hundert Teile zerrissene, an schweren Wunden blutende und meist in politischer Irre wandernde Volk die ewigen, niemals versiegenden Kraftquellen verleugnete: Vaterland, Volk und Christentum. Es musste erst ein halbes Menschenalter vergehen, bis diese Quellen neu erschlossen wurden und das deutsche Volk unter seinem Führer Adolf Hitler allen Standesdünkel und Kastengeist, allen Zwiespalt und Parteihader vergaß, bis vor allem die ehrliche Arbeit wieder zu Ehren gebracht und damit die Plattform für einen vollkommen neuen Lebensrhythmus geschaffen war.

Im Juli 1931 war es. Da erschien eine Regierungsverordnung, nach der ein freiwilliger Arbeitsdienst eingeführt wurde. Aus den Erläuterungen ging ungefähr hervor: „Die Reichsversicherungsanstalt zahlt 2 RM pro Kopf und Tagewerk für jeden jungen Deutschen, der im, Arbeitsdienst zu arbeiten gewillt ist. Die 2 RM müssen verwandt werden für Bekleidung, Verpflegung, Betreuung und Löhnung des Freiwilligen.“ Mit dieser Verfügung hoffte man das katastrophale Anwachsen des Erwerbslosenheeres einzudämmen, vor allem aber dem lästigen Gegner im Land und Parlament, der NSDAP, die ja eine allgemeine unterschiedslose Arbeitsdienstpflicht im Parteiprogramm verankert hatte, den politischen Wind aus den Segeln zu nehmen.

Ich lebte seinerzeit gerade im Ruhrgebiet, wo die Gegensätze besonders krass aufeinander platzten. Vor allem, weil sich jetzt wieder die aktivsten und anständigsten Kräfte im Volke rührten und nach diesem winzigen „Sonnenschein“ griffen. Die NSDAP trat sofort mit dem „nationalsozialistischen Verein für Umschulung“ auf den Kampfplatz. Der „Stahlhelm“ rückte mit seiner alten Forderung auf Arbeitsrecht und Arbeitsdienstpflicht an, auch der Jungdeutsche Orden versuchte ähnliche Maßnahmen durchzuführen.

Ein ganz neuartiger Kampf war entbrannt. Die Marxisten hetzten die Arbeiter auf, dass der Arbeitsdienst nur eingeführt werde, um die Tarife zu drücken. Die Tiefbauunternehmer, Meliorationsspezialisten und Baufirmen äußerten grollend Bedenken: „Ihr erschüttert den freien Arbeitsmarkt, ihr richtet uns zugrunde!“ Andere lächelten: „Spielerei!“ während so die Meinungen gegeneinander gingen, spuckten viele tausend arbeitsamer junger deutscher Männer bereits kräftig in die Hände und - - packten an. In ganz Deutschland schossen Arbeitslager aus der Erde, ein vorläufiger Plan wurde aufgestellt. Projekte in Eile baureif gemacht, Genehmigungen nachgesucht, Mannschaften geworben und frisch-fröhlich wurde begonnen.

Wenn ich heute noch an vieles denke, wundere ich mich, dass alles noch so gut abging. Denn bald zeigten sich die ersten Kinderkrankheiten: Es war keine einheitliche Führung, keine einheitliche Planung, kein ins Große gestellte Ziel vorhanden. Es fehlte das große, mitreißende Gefühl der Gemeinschaftstat.

Es gab wohl doppelt so viele Träger des Dienstes, wie wir damals Parteien in Deutschland hatten. Jeder wurstelte für sich. Jeder glaubte, er allein sei berufen, das Volk durch Arbeitsdienst zu retten. Da gab es außer den beiden großen ernst zu nehmenden Verbänden des „nationalsozialistischen Vereins für Umschulung“ und des „Stahlhelm, B.d.F.“ Dutzende und Aberdutzende von Trägern des Dienstes. Eine der gefährlichsten Krankheiten war, dass die meisten Deutschen glaubten, und wohl der damaligen Regierung auch vorschwebte, der Arbeitsdienst wäre nur zum Arbeiten da und der Arbeitsdienst hätte nur so lange Existenzberechtigung, solange noch Erwerbslose vorhanden wären, also ein Mittel zum Zweck! Hier sah man deutlich, dass erst dann wirklicher Arbeitsdienst möglich sein würde, wenn einmal die weltanschaulichen Voraussetzungen geschaffen waren, zum anderen wenn erst einmal besonders die Kreise der Wirtschaft und die interessierten Organisationen begriffen hatten, dass ihr an einer soliden Erziehung zur Arbeit und sittlichen Festigung unserer jungen Volksgenossen mehr gelegen sein musste, als an einer Verlegenheitslösung und nur Arbeitsleistung.

Ich stellte mich im Oktober 1931 im Ruhrgebiet dem in der Entwicklung begriffenen Stahlhelm-Arbeitsdienst zur Verfügung. Damit begann für mich einer der wertvollsten und unvergesslichsten Lebensabschnitte. Ich musste mich natürlich gänzlich umstellen, von vorn anfangen und als Älterer mitarbeiten und leben, wie jeder andere junge Kamerad es auch tat. Das war mir aber nichts neues. Denn ich hatte als Bergarbeiter in Oberschlesien gearbeitet und als alten Frontsoldaten war mir das Gemeinschaftsleben nicht fremd. Die strenge Lagerordnung und das Bett-über-Bett-Schlafen im “dufterfüllten“ Schlafsaal nicht unbekannt. Ich war begeistert, ahnte die große Entwicklungsmöglichkeit und formte schon nachts, wenn mich die schmerzenden Knochen nicht schlafen ließen, Erziehungsprogramme und andere Pläne zurecht. Es war eine gottselige Zeit, angefüllt mit Arbeit.

Kurz vor Weihnachten bekam ich den Auftrag, ein Lager selbstständig als Leiter zu übernehmen, auch wurde ich in die Führung berufen und sollte organisatorische Vorschläge machen. Ich fühlte mich als steinalter Praktiker (mit 8 Wochen Arbeitsdienst) und meldete mich in der Zentrale. Die Zentrale, unser erstes Arbeitsdienstbüro, war ein möbliertes Zimmer des ersten Leiters Rudolf Kluger. Es war ein kleines, möbliertes Zimmer. Um den Schreibtisch herum war das Büro errichtet. Auf dem Waschtisch stand auf dem umgestülpten Waschnapf eine uralte Schreibmaschine, damit sie aber nicht zu viel Krach machte, hatte der „Chef“ seine Strickjacke daruntergestopft. Die Kasse war in einer Zigarrenkiste. In der Nähe des Sofas hatte sich die technische Leitung, ein 28jaehriger Landmesser, niedergelassen. Auf dem Bett saß der Chef. Malerisch um ihn gruppiert arbeitete der „Stab“ auf 3 Stühlen, der Holzhülle der alten Schreibmaschinentante und einem umgestülpten Wassereimer sitzend. Und überall stand Tassen, Teller, Aschenbecher und andere Nippsachen, die dem Raum etwas „unsagbar Gemütliches“ gaben.

Ich habe mich später immer wieder darüber gewundert, wie in dieser scheinbaren Unordnung so viele gute Gedanken in die Tat umgesetzt wurden wie von diesem „Aftermieter“-Zimmerchen die Fäden für eine Organisation von 600 Arbeitskameraden gingen, die in fast 10 Lagern um Hagen, Wetter, Berge bis Dortmund heran verteilt waren. Dabei darf man nicht vergessen, dass wir im Jahre 1931 und im Ruhrgebiet lebten, wo ein paar Zoll kaltes Eisen in den Rippen eine alltägliche Angelegenheit war.

Aber der Wille war da und damit der Wille zum Widerstand, zum Durchsetzen. Wir alle mussten ja umlernen. Wir haben gebüffelt wie die Primaner, nachts über Büchern, über „Wasserspiegelsenken“, über Kochbüchern, über der berühmten „doppelten Buchführung“; aber es ging. Nur jetzt nicht weichwerden, jetzt nicht resignieren und vorzeitig die Waffen strecken! Es ging: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!

Ich errichtete, wie befohlen, mein Lager: am Hengstegsee unter der berühmten „hohen Syburg“. Idyllisch gelegen. Eine Holzbude war unser Lager. Es war bitter kalter Winter. Wir mussten meist in Kleidern zu Bett gehen, weil wir für die Bretterwände gar nicht so viel Moos und Werg heranschaffen konnten, wie der Sturm uns Nacht um Nacht immer wieder aus den zentimeterbreiten Ritzen herausfegte. Dort, wo der warme Atem das Kopfkissen etwas nässte, war man beim Wechseln der angenehmen Körperlage im nächsten Augenblick mit den Kopfhaaren angefroren. Es war nicht angenehm. Und doch verloren wir den Mut nicht. Wenn der erste Schluck „Frühblümchen“ uns erwärmte, waren wir wieder quicklebendig. Dazu eine Schnitte mit dem leckeren Sirup, den ich mir allerdings meist für besondere Klebzwecke aufbewahrte.

Ich hatte etwa 30 Kameraden im Lager. Man unterschied damals zwischen geschlossenem (kasernierten) und offenem Arbeitsdienst. Die Mitglieder des offenen Arbeitsdienstes schliefen zu Hause. Es mangelte an Räumen und die Regierung erkannte weder Ziel noch Aufgabe. Es kam auf die Arbeitsleistung, nicht auf die Erziehung und Schaffung sittlich ethischer Werte an. Zu den 30 „Kasernierten“ trudelten also Morgen für Morgen immer noch 80 „Offene“ ein, die daheim bei Muttern wohnten, ihr Essnäpfchen voll Warmes mitbrachten, bei uns arbeiteten, Vorträge hörten und Sport mitmachten. Unter Sport verstand man seinerzeit allerdings nur Fußball.

Dieser „offene“ Arbeitsdienst war schon deshalb ein Ding der Unmöglichkeit, weil er eine Unruhe in unsere Gemeinschaft trug. Was wir mühevoll in kleiner Erziehungsaufbauarbeit an diesen, in moralischer Hinsicht schon etwas angeknabberten Jungens taten, wurde immer wieder zuschanden gemacht, weil sie daheim wieder in ihre alten Kreise zurückkamen und täglich von neuem den demoralisierenden Einflüssen unterworfen waren.

Wir hatten im Lager Hengstegsee Forstungsarbeiten, Meliorationen und Ausbau einer Kläranlage zu erledigen. Es war ein schweres Beginnen. Wohl standen uns Fachkräfte zur Seite, wohl überwachte täglich das Kulturbauamt die Arbeiten und sauste unser tüchtiger Landmesser aus der „Zentrale“ mit seinem Nivellierapparat und seinen Messstangen im Gelände herum, aber die vollkommen ungelernten Menschen waren schwerfällig und mussten langsam umgeschult werden. Willig war der größte Teil. Aber die Träger der liebsten, dass für ihre geringen Zuschüsse Höchstleistungen erzielt wurden, wenn möglich die Leistung eines freien Arbeiters überboten wurde. Sie hatten ja kein Verständnis für unsere Ziele, dass wir nicht Arbeiter, sondern Arbeitskameraden erziehen wollten, dass wir in den Jungens noch eine andere Sehnsucht stillen wollten und Wege weisen wollten in eine neue Zukunft, sie herausführen aus ihrer sittlichen, seelischen und politischen Verirrung. Auch für Jahns wahre Erkenntnis: „mens sand in corpore sand“ (ein gesunder Geist in einem gesunden Körper) und die daraus für uns selbstverständliche Folgerung nach systematischer Körperschulung und –pflege hatte man kein Verständnis. Dazu kam der anbrandende Unrat der gehässigen Gegner, die den Wert des Arbeitsdienstes entweder mit dem Maß obengeschilderter Genossen einschätzten . . . „am 26.1.32 Baustelle 7 8 laufende Meter pro Mann und Werktag . . . oder „Der Arbeitsdienst die Sklavenschule der Faschisten“, „Der Arbeitsdienst eine Herabwürdigung freier Menschenrechte“ . . . Hätten sie nur einmal die jungen Kameraden gesehen, wie sie ankamen, oft heruntergekommen, unterernährt, überheblich und frech (gerade durch die geistige Beeinflussung jener, die für freies Menschenrecht „kämpften“) und wie sie dann wieder fortgingen, gerade, anständig, mit Vaterlandsliebe im Herzen, mutig, stark, mit beiden Beinen lebensbejahend auf deutscher Erde stehend.

Nur mühsam gelang es, sich durchzusetzen. Unsere Lager im Ruhrgebiet, die von Wetter aus geleitet wurden, lagen weit auseinander. Sie waren schwer zu erreichen. Autos kannten wir nicht. Meist zottelten wir „per pedes“ los. Führersitzungen waren stets ein Genuss. 50 Pfg durften wir als Spesen ansetzen. Die Wirtin des Chefs lieferte Kaffee und der Chef spendierte pro Führer 3 Kuchenteilchen nebst 3 Zigaretten. Wir mussten sparen und wir taten es freudig und gern.

Aber uns entgegen, auf der anderen Seite, stand der Kampf. Der Gegner versuchte immer wieder, unsere mühevolle Aufbauarbeit zu zerstören. Oft kam es vor, dass wir auf unserem Marsch durch die Straßen tätlich angegriffen wurden, und oft mussten wir nach einem solchen Marsch einen verwundeten Kameraden ins Krankenhaus einliefern. Ja, selbst vor organisierten Angriffen auf das Lager schreckten die verhetzten Jugendlichen der umliegenden Städte nicht zurück und zerstörten wiederholt unsere schwere Arbeit.

Schlimmer aber noch war der Kampf, der uns von oben gemacht wurde; immer neue Schwierigkeiten stellten sich in den Weg. Untaugliche Führer wurden in die Lager gesetzt, die alles wieder zerschlugen, was wir mühsam angefangen. Das Lager verkam und die Mannschaft noch mehr. Damals hat der „Stahlhelm“ und der „nationalsozialistische Verein für Umschulung“ viele Lager gerettet, die sonst dem sicheren Untergang entgegengerannt wären.

Demgegenüber stand sowohl bei der NSDAP, wo schon Oberst a.D. Hierl im Arbeitsdienst die Zügel fest in der Hand hatte und die Pläne für den Neubau im ganzen Reich einheitlich gestaltete, ebenso beim „Stahlhelm“ und einigen wenigen anderen Ausnahmen eine allmählich gut zentralisierte, verwaltete und sauber geleitete Arbeitsdienstführung.

Ich spürte das alles, als ich schweren Herzens vom Ruhrgebiet Abschied nahm (wer liebt nicht gerade die kränksten Kinder!) und mit Sonderauftrag nach Mecklenburg übersiedelte. Dort wehte schon ein anderer Wind! Auch die Behörden zeigten großzügiges Entgegenkommen. Träger der Arbeit waren verständig, vor allem war ein etwas „ruhigeres“ Arbeitsdiensteln gewährleistet. Mitten im schönsten Mecklenburg, in der „Mecklenburgischen Schweiz“ bei Teterow lag das Lager.

Inzwischen hatte ich ja einige Übung bekommen, war sozusagen alter Fachmann geworden, denn ich war ja nun fast ein Jahr „aktiv“. Mein Lager lag direkt an der Hauptstraße. Ich brauchte nicht viel umbauen, wir wohnten mollig und bequem. Einige Kinderkrankheiten waren bald überwunden, ich hatte im Ruhrgebiet gelernt. In der ersten Zeit freilich, bevor ich geeignete Kräfte bekam, war ich alles in einer Person: Koch, Ingenieure, Sportleiter, Buchhalter und Wirtschafter. außerdem wurde ich immer noch von 5-6 Lagern als Schulungsredner angefordert. Die Arbeit war gut, gesund und interessant: Meliorationen in einem Riesenbruchgelände. Die Jungens erkannten den Sinn ihrer Arbeit. Es war dabei eine Pracht, zu beobachten, wie die frische Luft, die Sonne und natürlich auch das gute reichliche Essen Wunder wirkten: Wenn man die braunen, gesunden Menschen sah (wie bleich kamen sie an!), die frohen klaren Augen, singend und pfeifend, immer lustig und munter, dann sagte man sich, dass kein Opfer zu groß ist, und dass es einmal dorthin kommen muss, dass jeder junge Deutsche diese Gnade einer körperlichen und seelischen Wiedergeburt erleben muss.

Und wir werden es erleben, denn schon zieht der junge Freiwillige nicht mehr aus Not, Hunger, Sorge in das Arbeitslager, sondern um der Ehre willen, um des Dienstes willen, um der Riesenwerte willen nach denen Oberst a.D. Hierl vor der Machtergreifung schon nach der Weisung des Führers wie ein Einsamer in der Wüste leidenschaftlich verlangte.

Der Tag der Machtergreifung war ein Schicksalstag, auch für den deutschen Arbeitsdienst. Endlich wurde Einigkeit und eine Einigung geschaffen unter einem starken Willen nach klarem fest umrissenem Programm planmäßig gestaltet. Das war es ja, wonach wir uns gesehnt hatten, was uns als Ideal vorschwebte und was Konstantin Hierl unermüdlich forderte und dann auch in die Tat umsetzte: Arbeitsdienst ist Ehrendienst. Mit dem Spaten in der Hand in schaffender Arbeit, soll jeder junge Deutsche nach dem Willen des Führers durch diese Schule gehen. Der junge Deutsche wird, geführt von starker, gereifter Kameradenhand, zu den Quellen unserer Kraft zurückgeleitet: Zu Volkstum, Heimat und Scholle.

In einheitlichem Kleid, schlicht und schmuck, wie es jeder heute kennt und schätzt, trat der deutsche, der nationalsozialistische Arbeitsdienst 1933 auf den Plan. Mit blitzendem Spaten, dem Wahrzeichen des neuen Geistes, der neuen Ehre. Blitzende Spaten und blanke Augen waren nun immer beim Arbeitsdienst zu finden. Ein neuer Geist hielt Einzug. Und mit diesem neuen Geiste schied auch alles das aus, was morsch und faul war. Idealismus, Arbeitsfreude, ein neues Arbeitsethos wurden erneuert und zogen in den Arbeitsdienst ein.

Es begann ein neues Arbeiten. Vor allem wurden die Lager, die Wohnstätten des Arbeitsdienstes so ausgebaut und ausgestattet, dass sie mit Licht und Sonne in allen Räumen auch den hygienischen Anforderungen entsprachen. Daß sie auch äußerlich dem jungen Arbeitsmann einen Ersatz boten für die freiwillig verlassene Elternwohnung. Und gerade mit Rücksicht darauf, dass jede Mutter ihr Kind bedenkenlos dem Arbeitsdienst für die vorgesehene Dienstzeit überantworten konnte, ging Reichsarbeitsführer Hierl mit ganz besonderer Sorgfalt und Strenge an die Sichtung des Führermaterials. Dies war eine der wichtigsten und vornehmsten Aufgaben, die von jedem alten Kämpfer mit Begeisterung begrüßt wurde: Nur gereifte, starke Persönlichkeiten können Führer sein. Keine Vorgesetzten, sondern Führerkameraden. Mit einem heißen, verstehenden Herzen und zugleich kluger Anpassungsfähigkeit. Der Führer im Arbeitsdienst soll Verständnis fuer alles haben, universell sein, dabei aber Mensch bleiben, Mann mit Charakter, gefestigt im Glauben an seine Sendung und gefestigt in der nationalsozialistischen Weltanschauung.

Auf den Führerschulen in allen Gaubezirken werden Führerpersönlichkeiten herangebildet. Besonders begrüßenswert ist aber der Grundsatz, dass der Führernachwuchs aus der Stammmannschaft herauswächst. Also „der Marschallstab im Tornister“. Eine Maßnahme, die sehr wertvolle Erfolge zeitigte.

Und was wir jahrelang ersehnten und nur unvollkommen erreichten: die Erziehungsarbeit, die Schulung, die geistige Betreuung, die Freizeitgestaltung, die Formung eines neuen Menschen wird jetzt gebildet. Wenn man erlebt, wie nun allmählich, ganz allmählich in den jungen Freiwilligen vom ersten Tage an eine Wandlung vor sich geht. Wie Stein zu Stein getragen wird, und die behutsame, sorgfältig ausgestreute Saat aufgeht und mannigfaltigste Früchte trägt. Wo kein rechtes Elternhaus vorhanden war, kein Gemeinschaftsleben, kein Sinn für Vertiefung und sinngemäße Ausnützung der Freizeit, wird es nun im Arbeitsdienst in die jungen Menschen hineingepflanzt.

Hier lässt sich mit Worten schlecht, fast gar nicht beschreiben, was schon erreicht ist. Das muss man selbst erleben. Einen Ausschnitt erhält die Öffentlichkeit durch die deutschen Abende, die neuartige, oft künstlerische Ausgestaltung, durch die Arbeitsdienstausstellungen, in denen Zeugnis gelegt wird über die Freizeitgestaltung, über die liebevolle Arbeit und die tausendfachen Basteleien, die der junge Kamerad in seiner Einsamkeit schafft.

Aber was am wichtigsten ist, am wertvollsten: Ohne Unterschiede treten sie an, ohne Vorrechte, ohne Standesdünkel und Kastengeist. Und sie lernen die großen deutschen Tugendenden, die wir Älteren im Kriege schon kannten und pflegten: Opferbereitschaft, Selbstzucht, Ordnung, Sauberkeit, Treue und Vaterlandsliebe.

Sie kommen aus allen Gauen und kommen in alle Gaue. Sie lernen die Schönheiten unseres Vaterlandes kennen und lernen verstehen, warum man alles daransetzen muss, diese schöne deutsche Heimat zu schützen und lieben. Und aus dieser Liebe zu Deutschland, aus dieser Zeit der freiwilligen Einordnung in eine gemeinsame Kampffront mit Hacke und Spaten speichern sie Kräfte in sich auf für ihren späteren Lebenskampf, für den Alltag, der sie dann umfängt, wenn sie mit dem Arbeitspass in der Tasche das Arbeitslager verlassen. Und als treu gediente Werksoldaten Adolf Hitlers werden sie des Schlesiers Eichendorff mahnende Worte im Herzen lebendig erhalten:

„Es wechseln die Geschlechter

Und sinken in die Nacht;

steh fest, du treuer Wächter,

und nimm dein Land in acht!“

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